Abdruck oder Scan: wann was die bessere Wahl ist

Ob konventioneller Abdruck oder Intraoralscan die bessere Wahl ist, entscheidet nicht das Alter der Technik, sondern die jeweilige Indikation.

Digitaler Workflow · · 3 Minuten Lesezeit

Die Frage nach Abdruck oder Scan wird häufig als Generationenfrage geführt, obwohl sie eine Indikationsfrage ist. In vielen Praxen laufen beide Verfahren nebeneinander, und das hat gute Gründe: Es gibt Situationen, in denen das eine Verfahren das andere nicht ersetzt. Entscheidend ist nicht, welche Technik moderner ist, sondern was im konkreten Fall zuverlässig erfassbar ist.

Die Präparationsgrenze entscheidet mit

Ein Intraoralscanner erfasst nur, was er optisch sieht. Liegt die Präparationsgrenze subgingival, muss sie zum Zeitpunkt der Aufnahme frei, trocken und blutungsfrei dargestellt sein. Gelingt das nicht sicher, entsteht eine Datenlücke, die die Software zwar interpoliert, die aber im Labor als unklare Grenze ankommt.

Ein Abdruckmaterial verhält sich hier anders. Es fließt unter Druck in den Sulkus und kann geringe Restfeuchtigkeit in gewissem Umfang verdrängen. Das ersetzt keine ordentliche Blutstillung und keine saubere Darstellung, verschafft aber Spielraum, wenn die Situation nicht ideal ist. Bei tief liegenden Grenzen, nach chirurgischer Kronenverlängerung oder bei entzündlichem Weichgewebe ist der klassische Weg deshalb oft der robustere. Die Einschätzung, ob das Gewebe eine Abformung zulässt, liegt bei Ihnen.

Zahnloser Kiefer und bewegliche Schleimhaut

Beim unbezahnten Kiefer geht es nicht nur um Geometrie, sondern um Funktion. Eine Funktionsabformung mit individuellem Löffel erfasst die Schleimhaut unter definierter Belastung und bildet die Grenzbereiche in Bewegung ab. Genau das leistet ein Scan nicht: Er nimmt die unbelastete, statische Situation auf.

Auf zahnlosen oder weitgehend zahnlosen Kiefern fehlen dem Scanner zusätzlich die festen Referenzpunkte, an denen er einzelne Aufnahmen verankert. Glatte, feuchte, gleichförmige Schleimhaut liefert wenig davon. Für Totalprothetik und für Fälle mit stark resorbiertem Kieferkamm bleibt die konventionelle Abformung daher in der Regel die tragfähigere Grundlage.

Große Spannen und ganze Kiefer

Ein Scan entsteht aus vielen Einzelaufnahmen, die die Software aneinanderfügt. Über kurze Strecken ist das unkritisch. Je länger die Spanne, desto mehr können sich kleine Abweichungen aufsummieren. Wie groß dieser Effekt ausfällt, hängt vom Scanner, von der Software, von der Scanstrategie und von der Restbezahnung ab und lässt sich nicht pauschal beziffern.

Praktisch relevant wird das bei weitspannigen Brücken und bei implantatgetragenen Versorgungen über den ganzen Kiefer, wo passiver Sitz gefordert ist. Hier arbeiten viele Labore weiterhin mit verblockten, offenen Abformungen oder verlangen zumindest eine zusätzliche Verifikation. Auch das ist kein Urteil über die Technik, sondern eine Frage der Toleranz, die der Fall zulässt.

Wenn der Zugang begrenzt ist

Der Scannerkopf braucht Platz und eine freie Sichtlinie. Wo beides fehlt, wird die Aufnahme mühsam oder unvollständig. Typische Konstellationen, in denen eine Abformung häufig der pragmatischere Weg ist:

  • eingeschränkte Mundöffnung oder ausgeprägter Wangen- und Zungendruck
  • weit distal gelegene Präparationen, besonders im Oberkiefer
  • unter sich gehende Bereiche, die optisch nicht einsehbar sind
  • starker Speichelfluss, der die Trockenlegung über die gesamte Scandauer erschwert
  • unruhige Behandlungssituationen, in denen längere Aufnahmezeit nicht praktikabel ist

Ob eine dieser Situationen vorliegt und wie Sie darauf reagieren, entscheiden Sie am Stuhl.

Wo der Scan seine Stärken hat

Der Vollständigkeit halber: Bei Einzelkronen, Inlays und quadrantenweisen Versorgungen mit gut zugänglicher, supragingivaler oder eben liegender Grenze spielt der Scan seine Vorteile aus. Sie sehen die Aufnahme sofort und können einen missglückten Bereich nachscannen, ohne die gesamte Abformung zu wiederholen. Es gibt keine Abbindezeit, kein Risiko von Verzug beim Transport und keine Dimensionsänderung des Materials über die Zeit. Für Patienten mit ausgeprägtem Würgereiz kann die Aufnahme angenehmer sein, wobei das individuell unterschiedlich ist. Und für Verlaufsdokumentation, Schienenplanung oder den Vergleich zweier Zeitpunkte ist der Datensatz ohnehin das praktischere Format.

Was das für die Zusammenarbeit mit dem Labor bedeutet

Für uns ist weniger entscheidend, auf welchem Weg die Situation zu uns kommt, als dass wir früh wissen, welcher Weg es wird und warum. Wenn absehbar ist, dass ein Fall grenzwertig scanbar ist, klären wir das lieber vor der Sitzung als nach der Anprobe. Häufig ist eine Kombination sinnvoll: konventionelle Abformung dort, wo die Grenze kritisch liegt, digitale Weiterverarbeitung über das eingescannte Modell, sodass CAD-Fertigung und analoge Präzision sich nicht ausschließen. Bei Scans helfen uns Angaben, die aus den Daten allein nicht hervorgehen, etwa welche Bereiche Sie selbst als unsicher einschätzen oder wie die Weichgewebssituation zum Aufnahmezeitpunkt war. Umgekehrt sagen wir Ihnen, wo unsere Verarbeitung an Grenzen stößt und welche Angaben wir für den jeweiligen Fall benötigen.

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