Das Bissregistrat im digitalen Workflow

Ein Intraoralscanner erfasst Oberflächen, aber nicht die Kieferrelation – warum das Bissregistrat im digitalen Workflow weiterhin aus der Praxis kommt.

Digitaler Workflow · · 4 Minuten Lesezeit

Bei der Kieferrelation entscheidet sich häufig, ob eine Arbeit im Mund sitzt oder ob sie zurück ins Labor geht. Ein Intraoralscanner erfasst Oberflächen sehr genau, sagt aber von sich aus nichts darüber, in welcher Position die Kiefer zueinander stehen sollen. Diese Information kommt weiterhin aus der Praxis. Der digitale Workflow hat daran wenig geändert, er hat vor allem die Übergabewege verschoben.

Vor dem Material steht die Abstützung

Wie aufwendig eine Registrierung wird, hängt weniger am Verfahren als an der Ausgangssituation. Bei stabiler Verzahnung und ausreichender Abstützung findet der Patient meist zuverlässig in dieselbe Position zurück. Die Aufgabe besteht dann darin, eine vorhandene Position abzubilden. Fehlen Stützzonen, ist die Verzahnung uneindeutig oder soll die vertikale Dimension verändert werden, verschiebt sich die Aufgabe grundlegend: Eine Position wird nicht dokumentiert, sondern festgelegt. Das ist eine Behandlungsentscheidung und bleibt bei Ihnen. Das Labor kann sie umsetzen und ihre Konsequenzen am Modell sichtbar machen. Treffen kann es sie nicht.

Der bukkale Scan und seine Störgrößen

Beim rein digitalen Weg übernimmt die bukkale Aufnahme die Zuordnung. Der Patient schließt in die gewünschte Position, Sie scannen die Vestibulärflächen, und die Software rechnet Ober- und Unterkiefer über diesen gemeinsamen Bereich zusammen. Das trägt, solange die Verzahnung genug eindeutige Geometrie bietet und die Position während der Aufnahme gehalten wird. Störend wirkt vor allem Weichgewebe, das sich unter dem Scannerkopf verschiebt und eine Fläche liefert, die es so im geschlossenen Mund nicht gibt. Auch ein zu knapp erfasster Bereich rächt sich, weil der Algorithmus dann wenig Anhaltspunkte hat.

Eine Aufnahme auf beiden Seiten ist deshalb sinnvoll, denn ein Verkanten fällt erst im Seitenvergleich auf. Prüfen Sie das Ergebnis noch am Stuhl: Die Kontaktsituation im virtuellen Modell sollte dem entsprechen, was Sie klinisch sehen. Eine Abweichung ist in der Software leichter zu korrigieren als später an der fertigen Arbeit.

Wenn die Relation nicht aus dem Scan kommt

Es gibt Fälle, in denen ein bukkales Matching nicht funktioniert, weil sich die Antagonisten nicht oder nicht eindeutig berühren. Freiendsituationen gehören dazu, ausgedehnte Lücken, stark reduzierte Restbezahnung oder Implantatversorgungen, bei denen zwischen den Scanbodies keine verwertbare Abstützung bleibt. Hier bleibt ein physisches Registrat der Weg, und das ist kein Rückschritt. Es wird im Labor mitgescannt und dient dort als Zuordnung zwischen den beiden digitalen Modellen. Analog registrieren und digital weiterarbeiten ist ein regulärer Ablauf, kein Notbehelf.

Damit das trägt, muss das Registrat allerdings mitspielen. Ein Registrat, das beim Aufsetzen federt, auf den Modellen kippelt oder in Unterschnitten hängt, überträgt seinen Fehler unverändert in die Konstruktion. Materialstärke und Ausdehnung hängen vom Fall ab und von dem, was Sie stabilisieren wollen. Als Orientierung gilt: so viel Fläche, dass die Lage eindeutig ist, und so wenig Material, dass nichts abstützt, was nicht abstützen soll. Wo eine reproduzierbare Position erst erarbeitet werden muss, kommen Verfahren wie die Stützstiftregistrierung in Betracht, inzwischen auch in Varianten mit digitaler Weiterverarbeitung. Welches Verfahren zum Patienten passt, entscheiden Sie.

Was das Labor tatsächlich braucht

Der häufigste Grund für Rückfragen ist nicht ein schlechtes Registrat, sondern eine fehlende Angabe dazu. Aus einem Datensatz allein ist nicht erkennbar, was gemeint war. Hilfreich sind auf dem Auftrag:

  • in welcher Position registriert wurde und ob es die habituelle Position ist
  • ob die vertikale Dimension unverändert bleibt, und falls nicht, worauf sich der neue Wert stützt
  • ob mittelwertig oder individuell artikuliert werden soll, samt der zugehörigen Übertragungsdaten
  • ob ein physisches Registrat mitkommt und ob es bereits getrimmt wurde
  • welches System und Dateiformat verwendet wird, wenn kein durchgehender Weg besteht

Bei Veränderungen der Bisslage lohnt zusätzlich ein Hinweis auf die Vorgeschichte, etwa auf eine vorherige Schienenphase oder ein bestehendes Wax-up. Das Labor kann eine Bisshöhe in der Software zwar verändern, ohne Bezugspunkt ist dieser Wert aber willkürlich.

Für die Zusammenarbeit heißt das: Die Kieferrelation ist die Stelle im Workflow, an der Praxis und Labor am dichtesten aneinander arbeiten, und zugleich die Stelle mit den wenigsten automatischen Kontrollen. Ein Scan wird sichtbar unvollständig, ein falsch zugeordneter Biss dagegen sieht am Bildschirm oft unauffällig aus. Deshalb ist eine kurze Notiz zur registrierten Position meist wertvoller als jede nachträgliche Korrektur, und deshalb ist eine Rückfrage vor der Fertigung in unklaren Fällen sinnvoller Aufwand. Wenn beide Seiten wissen, welche Position gemeint war und wie sicher sie ist, lässt sich der Rest im Labor sauber aufbauen.

Dentalutions

Fragen zu einem Fall aus Ihrer Praxis?

Wir stimmen ab, bevor wir fertigen — und sagen es, wenn ein anderer Weg der bessere ist.